Peru – Homestay bei einer Inka-Familie (Teil 2)

Vor einigen Tagen habe ich bereits meinen Bericht über den 1. Tag des Homestays verfasst. Sowie dann noch mein liebstes Reisesouvenir vorgestellt, welches ein Souvenir vom Homestay ist. Nun ist es endlich an der Zeit für den zweiten Teil des Berichtes.

Die Nacht zwischen dem 1. Tag und dem 2. Tag war wieder erwarten ganz angenehm. Die Temperatur sank zwar deutlich unter die Nullgradgrenze, und das Haus war auch alles andere als isoliert. Aber die ca. 6 Wolldecken hielten warm. Waren leider aber auch entsprechend schwer. Aber ich war so müde, dass ich mir hierzu gar keine Gedanken mehr machte, sondern sofort einschlief – erdrückt von den Wolldecken. Die machten sich nur bemerkbar, als ich nachts mal aufwachte, weil ich mich umdrehen musste. Gar nicht so einfach, wenn man 6 Wolldecken auf sich liegen hat.

Morgens, vor dem Frühstück ging es dann wieder los. Unsere Schwestern waren bereits weg (Schule) und wir halfen der Mama beim Aufbauen ihres Marktstandes. Die Frauen im Dorf verkaufen einmal in der Woche ihre Handarbeiten auf einem Markt, wo dann auch einige Touristen angekarrt werden. Allerdings eher weniger. Ausser uns war nur eine 2. Gruppe da, und das waren auch nur um die 10-15 Leute.

Die Marktwaren mussten zuerst zum Stand geschleppt werden. Geschockt standen wir vor den wirklich grossen Säcken. Die bestimmt auch sehr schwer waren. Diese Aufgabe wurde allerdings – zum Glück – auf sehr resolute Art und Weise dem Sohnemann zugewiesen. Wir sind ihm dann nur gefolgt, um dann die Sachen aus den grossen Säcken zu nehmen, und hübsch zu drapieren.

Zurück von der Arbeit stand dann auch schon das Frühstück bereit. Irgendein extrem reichhaltiges Getränk mit Apfelstücken drin (extrem gut, habe aber leider nicht verstanden, was ausser Äpfeln noch mit drin war), Brot und Pfannkuchen. Das Brot wurde aufgeschnitten, der Pfannkuchen dazwischen gesteckt und das ganze dann als Sandwich verspeisen. Hatte einen interessanten Geschmack, da die Pfannkuchen eher deftig als süss waren (mit Spinat und so mit drin) und das Brot wiederum sehr süsslich war. Hat aber interessanterweise gut zusammengepasst. Hätte noch stundenlang weiteressen können 😉

Nach dem Frühstück ging es dann wieder zum Markt, wo ich meinen wunderbaren Schal erstand, und wo uns dann erklärt wurde, wie die Sachen entstehen. Die Frauen aus dem Dorf gehen nicht zum nächsten Shopping Center und kaufen dort ihre Wolle, wie wir das tun würden. Nein, selbstverständlich stellen sie auch die Wolle selber her, d.h. vom Alpaca, bis zur fertigen farbigen Wolle wird alles selbst gemacht. Wobei die Wolle mit natürlichen Färbemitteln gefärbt wird. Extrem interessant und schön zu sehen, dass man noch Naturprodukte kaufen kann, und so günstig. Mein Schal hätte ja nur 10 Euro gekostet. 5 habe ich bezahlt, Tochterrabatt sozusagen.

Anschliessend an diese interessante Marktführung ging es dann leider schon wieder weiter – dem nächsten Höhepunkt der Reise entgegen. Aber natürlich nicht ohne uns vorher noch gebührlich zu verabschieden. Dieses Mal half mir mein Bruder mit meinem Koffer (d.h. er hob ihn auf die Schulter hoch, trug ihn runter, und ich rannte hinterher). Die Hilfe gab es aber nur auf Anweisung der Mama 😉 Wieder in einem sehr resoluten Tonfall. Der Bruder war übrigens Mitte 20 😉 Also auch bei den Inkas hört man nie auf, Kind seiner Mama zu sein.

Am Dorfplatz unten haben wir uns dann alle nochmals besammelt, d.h. unsere ganze Reisegruppe und alle unsere Familien. Zum Abschied gab es dann nochmals ein Lied, und viele Tränen und Umarmungen. Als ich mich von meiner Mama verabschiedet habe, haben wir beide geweint. Bei so viel Herzlichkeit war es auch ein Leichtes, die ganze Familie sofort ins Herz zu schliessen. Und nicht nur mir ging es so. Andere aus unserer Reisegruppe haben auch geweint, als sie sich von ihrer Familie verabschieden musste.

Alles in allem ist dies meine bisher schönste Reiseerfahrung.

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Mein liebstes Reisesouvenir (Blogparade)

Wie ich gerade auf dem Blog von Ulrike gesehen habe, gibt es gerade eine Blogparade, die mehr oder weniger ums Thema Reisen geht. Zur Blogparade aufgerufen hat Zypresse.

Wie meine Follower sicherlich schon mitgekriegt haben, war ich gerade in Peru, und diese Reise hat mich sehr stark beeindruckt. Aus diesem Grunde, und auch aus dem Grunde, dass ich selten was mitbringe, was wirklich von Dauer ist (aus China war es Tee, aus allen anderen Ländern Schnaps), ist mein liebstes Reisesouvenir aktuell ein Schal, den ich auch Peru mitgebracht habe.

Hier seht ihr die Bilder dazu:

Und dazu gibt es auch gleich eine Geschichte. Die nahtlos an meinen letzten Post über Peru anschliesst. An den Homestay. Den Schal hat nämlich meine Mama vom Homestay gestrickt. Habe ihn aber nicht geschenkt gekriegt, sondern ihn abgekauft. Die Frauen von dem Homestay veranstalten nämlich einen wöchentlichen Markt, wo wir gleich morgens, vor dem Frühstück, beim Aufbauen helfen durften. Bereits da fiel mir der Schal schon auf, weil ich ihn nämlich unter anderem am Stand drapiert habe, und ich die Farbe einfach liebe. Nach dem Frühstück war der Markt dann inzwischen offen – und ich bin gleich zurück. Schal anprobieren 🙂 Mein Bruder und meine Mama vom Homestay standen dabei um mich rum, und redeten irgendwas auf Spanisch auf mich ein. Von dem ich etwa so viel verstand wie „ich sehe damit sehr schön aus“. Da mir die Farbe glücklicherweise wirklich steht, war es dann auch keine Frage mehr, dass ich den Schal haben wollte. Natürlich gekauft und nicht geschenkt. Wir haben uns dann in der Mitte getroffen, d.h. ich habe ca. 5 Euro für den Schal bezahlt, also immer noch so gut wie geschenkt.

Da wir leider aktuell Sommer haben liegt er nun bei mir auf dem Sideboard, und wartet auf kältere Tage. Aber jedesmal, wenn ich daran vorbeigehe, zaubert er mir ein Lächeln ins Gesicht, weil er mich einfach an die Herzlichkeit meiner Inka-Mama vom Homestay erinnert.

Peru – Homestay bei einer Inka-Familie

Samstag Nachmittag und ich sitze gemütlich auf meinem Balkon, und geniesse endlich mal wieder die Sonne… Ja nach letzter Woche, ist dies endlich mal an der Zeit. Und deswegen ist es nun auch an der Zeit, endlich über das beeindruckendste Erlebnis zu berichten, das ich auf meiner letzten Reise haben durfte.

Wie ich bereits das eine oder andere Mal erwähnt habe, war ich auf einer organisierten Gruppenreise. Wie man einen Homestay selber organisieren kann, weiss ich nicht. Wahrscheinlich gar nicht. Jedenfalls war bei dieser Gruppenreise ein Tag bei einer Inka-Familie dabei, d.h. wir kamen zum Mittagessen an, und sind am nächsten Tag kurz vorm Mittagessen wieder abgereist.

Das Erlebnis an und für sich, war so beeindruckend, dass ich leider fast ein wenig vergass, noch Fotos zu schiessen, d.h. ich habe leider kein Foto von mir und meiner Familie, was ich jetzt, im Nachhinein betrachtet, extrem schade finde. Als wir aber da waren, wollte ich einfach nur jeden Moment geniessen.

So, jetzt aber zum eigentlichen Homestay. Wir waren jeweils zu dritt bei einer Familie einquartiert, wo wir so richtig zur Familie dazugehören. D.h. Eltern und Geschwister gekriegt haben. Da meine beiden „Mitschwestern“ krank waren (Höhenkrankheit) und den ganzen Tag mehr oder weniger nur im Bett lagen, kam ich fast alleine in den Genuss dieses Erlebnis.

Bereits die Begrüssung war sehr herzlich. Bei den anderen Familien war jeweils die Mama, in Tracht und mit einem Blumenstrauss für jeden, da. Bei uns waren es die beiden Mädchen, weil die Mama noch in Cusco war. Die 11 Jahre alte Natalie und die 19 Jahre alte Margod. Auch die beiden mit einem Blumenstrauss für jeden von uns. Den kriegten wir mit einer Umarmung überreicht und danach nahmen sie uns unser Gepäck ab, und los ging es Richtung Haus. Bei dem Gepäck habe ich mich dann etwas geweigert. Ich wollte einfach nicht die kleine süsse Natalie meinen Riesenkoffer schleppen lassen. Wir konnten uns dann aber auf gemeinsam tragen einigen.

Zum Haus ging es recht steil den Berg hoch. Mit Koffer und auf über 4000 m.ü.M. war ich da ganz schnell ausser Atem. Weswegen ich auf Spanisch bat, dass wir eine kleine Pause machen könnten. Von da an, hatte ich Natalie für mich gewonnen 🙂 Die Kleine konnte ja kein Englisch, weswegen sie vorher kaum was gesagt hat. Nun, da sie wusste, dass ich immerhin etwas Spanisch konnte, wurde mir alles mögliche erzählt. Von dem ich aber leider nicht mal die Hälfte verstand. Nichts desto Trotz war es sehr schön, mit ihr zu plaudern.

Im Haus angekommen, bekamen wir ein hübsches Zimmer, mit drei grossen Betten zugewiesen. Auf jedem Bett lagen mindestens 5 oder 6 Wolldecken!!! Nachts durfte ich dann noch lernen warum. Kaum hatten wir unser Zimmer bezogen, ging es auch schon weiter: Mittagessen. Ein Festschmaus, gekocht in einer alten Küche, d.h. auf dem Feuer. Aber es hat wirklich himmlisch geschmeckt, und war mehr als reichlich. Beim Mittagessen haben wir dann ein wenig mit Margod geplaudert. Da sie in Cusco studiert, konnte sie auch ein wenig Englisch, so dass wir zu viert plaudern konnte. Es stellte sich dann aber schnell raus, dass mein Spanisch besser war als ihr Englisch, weshalb ich dann bald die Rolle der Übersetzerin bekam.

Nach dem Mittagessen kriegten dann auch wir die Tracht angezogen. Auf dem Foto sieht man, wie Margod mir dabei behilflich ist:

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Und das fertige Ergebnis seht ihr hier:

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Ich muss dazu sagen: Der Rock ist ja ganz bequem. Aber obenrum gab es insgesamt 3 Schichten. Über unsere Kleidung drüber (war geistesgegenwärtig genug, und habe meine eigenen Schichten bis auf die Unterste davor noch ausgezogen – zum Glück). Diese waren eine Bluse, eine Jacke, und am Schluss noch das Umhängetuch. Das Tuch mochte ich dann nicht mehr so, weil man sich damit kaum noch bewegen konnte, d.h. die Arme, konnte man kaum noch bewegen. Brauchte Hilfe beim Anziehen meines Rucksackes.

So gekleidet haben wir dann aber auch den Rest unserer Gruppe wieder getroffen, und raus ging es auf die Felder, wo wir beim Sortieren von Limabohnen halfen. Auf dem Bild seht ihr den Ausblick, den wir dabei geniessen durften. Ich habe hier auch Fotos von meinen Mitreisenden gemacht, die ich hier aber nicht hochladen will.

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Anschliessend ans Limabohnen sortieren haben wir die Tracht wieder ausgezogen, und uns zum Fussballspielen getroffen, danach ging es dann weiter zum Abendessen. Meine beiden Schwestern aus der Reisegruppe waren bereits wieder am Schlafen. Da ich mich aber nicht hinlegen wollte, ging ich mal an den wärmsten Ort im Haus – die Küche. Sobald die Sonne weg war, sank die Temperatur nämlich rapide. Und es war wirklich sehr kalt. War ja hauptsächlich deswegen im Zimmer, um zu schauen, wie es den anderen ging, und selber die Thermounterwäsche anzuziehen.

Die Stunde in der Küche war dann einer der schönsten Stunden des ganzen Homestays. Es war warm, beide Mädchen, und inzwischen auch der Bruder, waren da, und wir haben irgendwie, mit meinem Spanisch, ein paar Brocken Englisch, und Händen und Füssen, versucht, uns zu unterhalten. Dabei durfte ich auch ein wenig beim Kochen helfen. Wobei: Ich konnte in der Küche kaum aufrecht stehen. War wohl nicht für meine Körpergrösse ausgelegt 🙂

Währenddem wir am Kochen waren, kamen dann auch unsere „Eltern“ zurück. Die Mama hat mich gleich voll herzlich umarmt, und als ich mich mit „Sarah“ vorgestellt hatte, gleich in „Sarita“ umbenennt. Als sie hörte, dass es den anderen beiden gar nicht gut ging, war sie auch voll besorgt. Ich war die beiden dann wecken (Abendessen, Eltern begrüssen) und sie hat sich dann rührend um die beiden gekümmert. In der Zwischenzeit habe ich versucht mit meinem „Papa“ zu plaudern. Dieser war beruflich ein Träger auf dem Inka-Trail. Und als er hörte, dass wir da übermorgen starten werden, hat er mich mit vielen guten Tipps gegen die Kälte eingedeckt.

Nach dem Abendessen (wieder um sehr reichhaltig und extrem gut), haben wir uns dann alle nochmals unten im Dorf getroffen. Zu einer typischen Inka-Feier. Sie sangen für uns einige Lieder, und anschliessend gab es Inka-Musik ab Tonband, zu der wir tanzten.

Alles in allem, ein sehr schöner Tag. Ein Bericht, über den nächsten Morgen, an dem Markt war, und wir beim Vorbereiten helfen durften, folgt später.