Warum „nicht jammern“ auch manchmal im Urlaub nicht so einfach ist…

Ja, Urlaub… Da könnte man doch denken, dass man es locker schafft, mal nicht zu jammern. Nun, Urlaub ist ja nun mal nicht gleich Urlaub. Und wenn man eine Rundreise macht, da gibt es schon einige Widrigkeiten, die man wegstecken muss.

Da wären zum einen die langen Busfahrten. Für mich insofern kein Problem, weil ich wusste, dass es lange Busfahrten geben wird, mit Lesestoff eingedeckt war und in einem Bus auch ganz gut schlafen kann. Erleichternd kam dann dazu, dass es landschaftlich immer sehr schön war, na gut, bis auf die letzte. Aber da habe ich dann halt geschlafen. Insofern hätte ich diese also relativ gut wegstecken können, wären da nicht die lieben Mitreisenden und der Reiseleiter gewesen.
Die lieben Mitreisenden haben wohl noch nie eine Landkarte von Marokko gesehen, und waren dann entsprechend schockiert über die langen Fahrzeiten. Die Annahme war: 450km in so ca. 3 Stunden, weil in Deutschland schafft man das doch auch. Naja… Da war noch so ein Gebirge dazwischen… Da braucht man auch in Deutschland länger, oder? Aber eben, wenn man mit kurzen Distanzen und Autobahn rechnet, ist man dann wohl doch negativ überrascht und jammert dann entsprechend rum. Hört sich jetzt arrogant an, aber um mich von dem Gejammere nicht runterziehen zu lassen, habe ich es einfach nur belächelt.
Und da war da auch noch der Reiseleiter (zu dem komme ich dann auch später noch). Der musste doch alle 30 Minuten mal wieder zu Quatschen beginnen. Hat schlafen leider unmöglich gemacht. Zu Beginn. Mit der Zeit konnte ich es zum Glück dann hervorragend ausblenden.

Gut, und bei einer langen Busfahrt oder einer Stadtbesichtigung muss man was mal? Ja, aufs Klo. Und auch diese sind ausserhalb Mitteleuropas nicht immer so das Wahre… Aber sagen wir mal so: ich habe schon schlimmere Klos als die in Marokko gesehen. Klopapier gab es ab und zu mal, ab und zu auch nicht. Aber dafür ist Frau ja vorbereitet und bringt das einfach selber mit. Türen gab es immer. Manchmal waren sie nicht abschliessbar. Aber wir waren ja eine Gruppe. Also nochmals öffnen, und jemanden bitten, acht zu geben. Und gut ist. Die Sauberkeit liess oft zu wünschen übrig. Aber auch das finde ich nicht weiter tragisch. Die Skihocke trainiert doch schön den Popo und die Oberschenkel. Und im Hotel hat dann wieder ein sauberes Klo gewartet, wo man sich auch hinsetzen konnte. Also alles kein Problem. Wären da nicht die lieben Mitreisenden gewesen, die teilweise wieder mal alles schrecklich fanden (kein Toilettenpapier kann aber übrigens auch bei uns schon mal vorkommen…). Auch hier half: arrogant auf die jammernde Meute runterlächeln. Ich war ja vorbereitet, d.h. mit Klopapier ausgestattet, und psychologisch auf den Schmutz eingestellt. Und ich habe mich ja auch durch teilen des Klopapiers dann beliebt gemacht.

Und wenn wir schon mal beim leidigen Klo Thema sind, gleich weiter, zum nächsten leidigen Thema: Durchfall. Ich kenne ja die Grundlagen, und halte mich daran (kein Leitungswasser, kein Obst oder Gemüse das roh ist und mit Wasser gewaschen wird, keine Eiswürfel, und und und). So habe ich das auch in Marokko gemacht. Und das hätte bestimmt auch gut funktioniert… Aber: Ich vermute stark, unser Reiseleiter hat uns in ein Restaurant geführt, wo es hygienisch halt nicht so gut war. Jedenfalls haben wir alle (ja, alle) am selben Abend Durchfall gekriegt. Ich hatte ja schon am (dreckigen) Tisch ein schlechtes Gefühl und mir lange überlegt, ob ich was Essen soll. Schlussendlich war der Hunger grösser als der Ekel vor dem Tisch. Leider. Hätte ich besser mal auf mein Bauchgefühl gehört und nix gegessen. Aber bei Durchfall gilt dann mein Standard-Kredo: Man nimmt dabei ab 😀 Also, Augen zu, Kohletabletten rein, und durch.

So, und jetzt zum letzten Thema, was es mir wirklich schwer gemacht hat, nicht zu jammern. Der Reiseleiter, dieser hat sich vor allem durch folgende „Qualitäten“ ausgezeichnet:

  • er bevorzugt definitiv blonde Frauen und/oder Frauen, die alleine hilflos wären. – Ich bin brünett und stehe mit beiden Beinen im Leben.
  • Wenn er was erzählte, hatte man zuzuhören. Auch Fotografieren war nicht erlaubt. Und wer mich kennt, weiss, dass ich immer Fotografiere… Und man kann ja dabei trotzdem noch zuhören. Aber eben: es war nicht erlaubt, worauf er mich dann immer anschrie mit dem Text: „Sarah, ich erzähle gerade etwas, jetzt hör zu!!!“ Grrr…
  • Klopause gab es nur dann, wenn er es sagte, oder wenn ein kleines hilfloses Mädel mal musste. Ich hatte da schon mal nichts zu melden, auch mit Durchfall dann nichts.
  • Er hat schlicht und einfach gelogen und uns Quatsch erzählt. Jedenfalls, wenn ich meinem Lonely Planet mehr Glauben schenke, als ihm (und das tue ich).
  • Hintergrundinfo gab es keine.
  • Besichtigungspunkte (die im offiziellen Programm erwähnt waren) wurden ausgelassen.
  • Und zu guter letzt: Wir durften ein Feedback-Formular ausfüllen (worin ich alle obigen Punkte erwähnt habe). Die hat er dann eingesammelt,  und die schlechten Kritiken (meine auch) laut im Bus vorgelesen. Und besonders die meinige hat er extrem zerrissen. Zitat: „Man sollte hier nicht seine subjektive Meinung wiedergeben, bisher wurde ich immer gut beurteilt, und das wäre dann die objektive Meinung, und die habt ihr mir bitte auf dem Feedback-Formular wiederzugeben.“ Ähm… der Sinn und Zweck des Formulars klar verfehlt. Und: Ich fand es auch nicht toll, dass mich danach die Hälfte der Gruppe schnitt, nur weil sie nicht mit mir einer Meinung waren. Gut, das waren eh nur die hilflosen kleinen Mädchen. Aber weh tut sowas dann trotzdem. Und ja, jetzt kommt es: da habe ich dann gejammert (und abends im Bett auch geweint – weil es tat weh).
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10 Gedanken zu “Warum „nicht jammern“ auch manchmal im Urlaub nicht so einfach ist…

    • Habe soeben ein langes Mail geschrieben. Mal schauen, was die Reaktion ist.

      Die Mitreisenden kann der Veranstalter leider nicht beeinflussen. Einige davon waren halt geistig noch im Kindergartenurlaub und dachten bei Marokko auch eher an Sonne und Strand 😉

  1. Männer wie dieser Reiseleiter sind meine Intimfeinde. Er hätte das Spiel bei mir versuchen sollen. Aber es ist gut, dass du dich beschwert hast. Menschen wie dem muss Frau das Handwerk legen.

    • Hihi. Du hättest damit wahrscheinlich meine Reise gerettet. Mir war es dann irgendwann zu blöd, was zu sagen. Habe mich dann einfach so oft als möglich abgeseilt. Ist aber in einem islamischen Land als Frau auch nicht so einfach. Sobald man da alleine unterwegs war, wurde man die ganze Zeit von Männern angesprochen (habe den Blickkontakt einfach non-stopp gemieden und mich hinter meiner Kamera verkrochen).

  2. Hi Sarah,
    fotografieren verbieten, wenn er spricht? Bestimmen, wann ihr zur Toilette dürft? Das klingt ja eher nach einem Kindergartenausflug als nach einer Rundreise für Erwachsene.
    Sehr schade, wenn man eine Reise bucht und dann der Reiseleiter nicht die Erwartungen erfüllt bzw. seinen Job nicht richtig macht.
    Ich hoffe aber, Du hast trotz geistig-kindlicher Mitreisenden und einem Idioten als Reiseleiter das Beste aus dem Urlaub gemacht.
    Liebe Grüße
    Sanne

  3. Pingback: Wieder mal Sonntag – Wieder mal Zeit für einen Rückblick | 12 Monate, die vielleicht mein Leben verändern

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