Travel – the only thing you buy that makes you richer

Ein (inzwischen) abgedroschener Spruch, weil er auf vielen Facebook-Seiten und -Profilen die Runde macht. Trotzdem dachte ich, dass er es Wert ist, mal darüber nachzudenken.

Macht mich Reisen wirklich reicher? Ich finde, dies ist individuell. Für mich gilt: auf jeden Fall ja. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass dies für jeden gilt. Ich kenne einige Leute, die nur mit Unverständnis aus dem Urlaub zurückkamen „die konnten da ja nicht mal Deutsch!!!“ – nö wirklich??? Die Chinesen sprechen kein Deutsch. So eine Frechheit aber auch. Oder „Einfach schrecklich, wie die dort leben…“. Naja, wenn man so was nicht sehen will, sollte man vielleicht auch nicht in ein Land der 2. oder 3. Welt verreisen. Die Menschen dort haben es sich nicht ausgesucht, so zu leben. Sie kennen es aber (glücklicherweise?) nicht anders. Und meistens sind sie zufrieden mit ihrem Leben.

Ebenfalls kann ich mir nicht vorstellen, dass einem der Mallorca-Pauschal-Urlaub wirklich reicher macht. Aber auch dies wird individuell sein. Und ich möchte hier keinen Pauschaltouristen verurteilen. Für mich ist diese Art von Urlaub einfach nichts. Aber für viele Leute, ist auch das Reisen einfach nichts.

Nun aber wieder zurück, zum Reisen, dass einem reicher macht. Wenn ich an meine unterschiedlichen Reisen zurückdenke, dann bin ich definitiv der Meinung, dass ich bei jeder Reise etwas gewonnen habe.

 

Kroatien und Bosnien-Herzegowina (2000)

Dies war damals mit dem Jugendbetreuer unserer Kirchgemeinde. Der hat immer tolle Skilager organisiert, und weil diese so gut liefen, hat er dann eine Camping-Tour durch Kroatien und Bosnien-Herzegowina organisiert. Auf der Reise selber von Kirche (zum Glück – bin kein wirklich gläubiger Mensch) keine Spur. Allerdings hat es sich doch ein wenig im Programm abgezeichnet. Kroatien war rein touristisch. Aber Bosnien war damals noch im Wiederaufbau. Und da haben wir viel gesehen, was wirklich extrem war. Hatten auch viel Kontakt mit Einheimischen. Und ich muss da ehrlich sein – vor der Reise hatte ich öfters Probleme mit Menschen aus der Gegend, einige sind halt in der Schweiz auch öfters negativ aufgefallen. Negativbeispiele gibt es ja immer. Danach sah ich dies aber aus einem anderen Blickwinkel. Die Negativbeispiele will ich hier nicht schön reden, auf die könnte ich gerne verzichten. Ich habe aber gelernt, nicht mehr zu pauschalisieren, sondern zuerst den Menschen dahinter kennenzulernen. Egal welche Nationalität der hat.

 

Paris (2004)

Tjo, ich war mal wieder gezwungen, Französisch zu reden 😉

 

Irland (2006)

Hört sich jetzt banal an, aber seit Irland bin ich richtig gut im Kartenlesen 😉 Mein damaliger Freund konnte das nämlich leider gar nicht. Und aus der Not heraus, habe ich dies gelernt.

 

Australien (2007)

Zum einen habe ich natürlich linksfahren gelernt (in Irland habe ich mich noch darum gedrückt), zum anderen aber auch, dass man sich als Gast mal zurücknehmen muss.  Eine Woche in Australien haben wir bei meinem Onkel und Taufpaten gelebt. Seine Frau ist – naja – schwierig (trifft es wohl am Besten). Da ich die ganzen Streitereien mitgekriegt habe, die mein anderer Onkel damals mit ihr hatte, als er zu Besuch war, dachte ich mir: du bist Gast, wenn sie keine anderen Meinungen akzeptieren kann, nickst du einfach zu allem, und denkst dir einfach deinen Senf dazu. Und wir hatten eine tolle Woche, ganz ohne Streit. Und mit viel blauen Flecken am rechten Bein meines damaligen Freundes, weil ich ihn unter dem Tisch immer mal wieder treten musste, damit auch er sich zurückhält 😉

 

USA (2008)

Dies war meine erste Reise ganz alleine. Zwar mit Reisegruppe, aber trotzdem alleine. Und ich habe massiv an Selbstvertrauen gewonnen (ich habe es ja geschafft) und habe auch gelernt, auf fremde Leute zuzugehen.

 

Andalusien (2009)

Aus Andalusien habe ich zwei tolle Freundinnen mitgebracht. Mit beiden habe ich heute noch Kontakt und wir besuchen uns regelmässig (naja, einmal im Jahr… – aber immerhin). Und Freundinnen bereichern das Leben nun mal immer.

 

China (2010)

Auch aus China durfte ich eine tolle Freundin mitbringen. Ebenfalls habe ich gelernt, mich auf andere Kulturen einzustimmen. Ich bin völlig unvorbereitet los, und war dann total überfordert. Alles war mir zu viel. Heutzutage bereite ich mich auf Reisen besser vor, d.h. ich lese vorher ein wenig über das Land, und träume nicht meine romantischen Träume, über eine Geschichte, die mal war, aber nicht mehr ist.

Ebenfalls habe ich in China gelernt, was man auf einer Reise in ein nicht europäisches Land so mitbringen sollte:

  • Klopapier
  • Desinfektionsgel
  • und vor allem: eine gute Reiseapotheke

 

Kuba (2011)

Wiederum bin ich mit guten Freundinnen nach Hause. Dieses mal drei an der Zahl. Die Woche habe ich mit der einen davon gerade den nächsten Besuch ausgemacht. Im September kommt sie zu mir nach Graz *freu*.

Ebenfalls bin ich mit starkem Liebeskummer nach Kuba. Die Beziehung war zwar schon über ein halbes Jahr zu Ende, aber nicht mal eine Woche vor Abreise sass ich noch heulend auf dem Sofa einer Freundin. Und als ich aus Kuba zurückkam, war ich über ihn weg. Kaum zurück habe ich nämlich erfahren, dass er schon seit über einem halben Jahr eine neue Freundin hat. Und es hat mich kaum noch gejuckt. Das einzige Gefühl, dass ich damals hatte, war, dass ich mich bestätigt gefühlt hatte, weil ich das damals schon vermutet hatte (es aber alle abgestritten haben – wohl um mich zu „schützen“ ).

Und zusätzlich habe ich gelernt, dass ich in China viel gelernt habe: Nämlich mit fremden Kulturen und widrigen hygienischen Umständen umgehen zu können.

 

Kreta (2012)

Wieder mal nur was Banales: Ich habe Mountainbiking ausprobiert, und dadurch eine neue Sportart für mich entdeckt.

 

Graz (2012)

Ja, ich wohne in Graz. Damals wohnte ich aber noch in der Schweiz, wo ich auch geboren und aufgewachsen bin. Diese Reise war ausschlaggebend dafür, dass ich jetzt in Graz wohne, weil ich danach – aus einem Bauchgefühl raus – beschlossen habe, mein ganzes Leben umzukrempeln. Und jetzt bin ich hier. Mir geht es hier besser als in Zürich. Ich kann endlich Karriere machen, weil ich einen Chef habe, der mich unterstützt, und der mir nicht sagt: „Aber du bist eine Frau, du kriegst mal Kinder, deswegen kriegt XY (Mann) die Stelle.“ Nein!!! Ich habe dieses Mal die Stelle gekriegt. Vor der Nase meiner älteren und männlichen Kollegen, die allesamt länger in der Firma sind. Begründung: Ich war fachlich die beste.

 

Mexiko (2013)

In Mexiko musste ich lernen, dass manche Freunde vielleicht doch nicht so gut für einem sind, wie man vielleicht denkt. Ich war da mit einer Freundin. Inzwischen sind wir nicht mehr befreundet. Mein Problem war: In den paar Tagen musste ich genau so funktionieren, wie sie das wollte. Naja – ich bin halt ein eigenständiger Mensch. Und wahre Freunde akzeptieren mich auch so. Eine schmerzliche Erfahrung, aber trotzdem macht sie mich reicher.

 

Peru (2014)

Aus Peru nehme ich extrem viel mit. Zum einen habe ich gelernt, mir wieder mehr Zeit für mich zu nehmen. Deswegen ja auch dieser Blog. Vor Peru war ich ernsthaft Burn-Out gefährdet. Es gab auch schon Diskussionen deswegen mit meinem Chef. Ich: „Nein, ich bin nicht gefährdet. Mir geht es gut, und ich mache das gerne und freiwillig.“ Er: „Genau diejenigen, die es abstreiten, sind gefährdet.“. Auf dem Inka-Trail bin ich dann mal einen Nachmittag alleine gewandert (da brauchten wir alle eine „Auszeit“, jeder ging alleine für sich) und hatte viel Zeit zum Nachdenken. Und ja, mein Chef hatte recht. Lange hätte ich dieses Tempo nicht mehr durchgehalten. Meine Gesundheit litt, und vor allem mein Privatleben litt.

Ebenfalls konnte ich in Peru wiederum tolle Menschen kennenlernen. So z.B. bei unserem „Homestay“, wo wir einen Tag und eine Nacht bei einer Familie einquartiert waren. Dazu aber mal mehr, in einem anderen Blog-Eintrag (später – irgendwann – versprochen).

Und natürlich habe ich auch gesundheitlich extrem gewonnen. Kam zwar mit einer Grippe zurück (da ich aber schon vor dem Urlaub krank war, glaube ich eher, dass dies auf mein „Fast-Burn-Out“ zurückzuführen ist). Allerdings bin ich jetzt deutlich fitter als zuvor. 4 Tage Wandern, auf der Höhe, bringen halt doch recht viel für die Kondition. Kurz nach einer Grippe war ich früher nicht fähig, zur Arbeit zu radeln. Jetzt tue ich es einfach. Und es geht.

 

Fazit: Reisen macht einem tatsächlich reicher. Aber nicht immer. Ob und wie es einem reicher macht, hängt immer noch von der jeweiligen Person ab, und was diese aus ihren Reisen macht.

 

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2 Gedanken zu “Travel – the only thing you buy that makes you richer

  1. Hallo Sarah,
    ich kann dem Zitat nur zustimmen. Reisen macht einen reicher, auch wenn ich noch nicht annähernd so viel und weit gereist bin wie Du. Wobei ich denke es kommt nicht unbedingt darauf an wo man hinreist, sondern was man dort macht bzw. ob man etwas erlebt.
    Für mich, die ich bis vor 5 Jahren keine Urlaube im Süden verbracht habe, war Mallorca für 2 Urlaube eine tolle Erfahrung. Inzwischen weiß man ja, dass die Insel nicht nur aus Ballermann besteht. 🙂
    Ein Jahr später habe ich – da ich auf den Geschmack gekommen bin – mir einen Traum erfüllt und alleine Urlaub auf Teneriffa gemacht. Es war toll eigenständig die Insel zu erkunden. Ich habe so viele schöne Sachen erlebt und auch Selbstvertrauen gewonnen. Die Eindrücke die Teneriffa hinterlassen hat sind toll.
    Naja, und über meinen Schottland-Urlaub im letzten Jahr kannst Du ja in meinem Blog nachlesen. Ohne den Teneriffa-Urlaub hätte ich mich vermutlich nie an Schottland alleine gewagt. Und auch dieseer Urlaub hat mir wieder gezeigt, dass man manche Dinge einfach nur machen u über seinen Schatten springen muss.
    Dieses Jahr fällt der Urlaub leider aus, denn nächstes Jahr soll es nach Ecuador und auf die Galapagos-Inseln gehen. Da braucht es etwas finanzielle Vorbereitung. Aber ich wette jeder Euro lohnt sich. 🙂
    Jetzt aber einen schönen Abend. Ich werde mich bestimmt weiter auf Deinem Blog rumtreiben. 🙂
    Viele Grüße
    sanne

    • Hi. Danke für deinen ausführlichen Kommentar.
      Ja, beim Reisen kommt es immer darauf an, was man selber daraus macht. Und auch das ist wieder individuell. Mallorca war ich auch schon, und es ist eine wirklich schöne Insel. Im Frühjahr ja auch zum Radfahren sehr beliebt.

      Ecuador wird bestimmt toll. Mein Bruder war vor 3 Jahren dort, und die Fotos waren einfach genial. Dafür lohnt sich das Sparen auf jeden Fall 🙂 Bei mir steht das auch noch auf der Liste, allerdings gerade nicht zuoberst.

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